Eichhörnchen und Stadtbäume in St.Gallen

Eichhörnchen verbringen die meiste Zeit ihres Lebens auf Bäumen. Sie leben deshalb in Gebieten, in denen viele alte Bäume wachsen: Im Wald, aber auch im Siedlungsraum, in Parkanlagen oder Wohnquartieren mit einem intakten Baumbestand. Im Zuge der Verdichtung unserer Städte geraten jedoch Grün- und Freiräume mehr und mehr unter Druck und mit ihnen ganz besonders Bäume. Damit wird es auch zusehends für das Eichhörnchen schwierig, in der Stadt genügend geeigneten Lebensraum zu finden.

Stadtbäume - mehr als nur Lebensraum

Stadtbäume spielen in Zukunft für unsere Städte eine wichtige Rolle: Sie haben einen grossen Einfluss auf die Biodiversität im Siedlungsraum und erbringen eine Reihe von Ökosystemleistungen, ohne die im Zuge des Klimawandels Städte und Agglomerationen massgeblich an Lebensqualität verlieren. Eichhörnchen leben dort, wo noch genügend Bäume wachsen, damit sie eine Lebensgrundlage finden und wo dank der Bäume für den Menschen der Aufenthalt selbst in den warmen Sommermonaten angenehm ist. 

Wo leben Eichhörnchen in der Stadt?

Über die genauen Bedingungen, welche Eichhörnchen ein Vorkommen im Siedlungsraum ermöglichen, ist wenig bekannt: Wie viele und welche Bäume braucht es in einem Gebiet, damit Eichhörnchen hier leben können? Welche Rolle spielen die Vernetzung von Grünräumen und die Fragmentierung der städtischen Lebensräume für das Vorkommen von Eichhörnchen? Diesen und weiteren Fragen wollten wir im Projekt „Eichhörnchen & Stadtbäume“ nachgehen.

 

© Sonja Portenier / wildenachbarn.ch
© Sonja Portenier / wildenachbarn.ch

Erforschung mit Citizen Science

Im Sommer 2020 wurden die Lebensraumansprüche der Eichhörnchen in St.Gallen mithilfe von 23 Freiwilligen untersucht. Dafür wurden in 185 Untersuchungsgebieten (35m Radius) mit und ohne Eichhörnchen alle Bäume und Haselsträucher kartiert, vermessen und nach Eichhörnchenspuren abgesucht. Zusätzlich wurden über die Meldeplattform stgallen.stadtwildtiere.ch Beobachtungen dieser flinken Kletterer gesucht.

Eichhörnchen brauchen vielfältige Lebensräume mit einem alten Baumbestand

Die Auswertungen haben gezeigt, dass Eichhörnchen vermehrt in Gebieten mit vielen Bäumen und Haselsträuchern, grossen, also meist alten, Bäumen sowie in Gebieten mit einer grösseren Baumvielfalt vorkommen. Viele verschiedene Baumarten garantieren Eichhörnchen während des ganzen Jahres ein breites Nahrungsangebot wie Knospen, Früchten und Nüssen. Ausserdem sind Eichhörnchen auf nahe beieinanderstehende Bäume für die Fortbewegung angewiesen. Mehr Bäume in den Stadtquartieren bieten daher den Eichhörnchen mehr Lebensraum und eine gute Vernetzung innerhalb und zwischen verschiedenen Stadtgebieten. 

Ergänzend zum Citizen Science-Projekt wurden im Herbst 2020 Exkursionen für Primarschulen angeboten und Unterrichtsmaterial entwickelt, welches von den St.Galler Schulen ausgeliehen werden kann. Insgesamt haben rund 300 Kinder an den Schulexkursionen teilgenommen.

Weiterführende Informationen

Weitere Details zum Projekt und den Auswertungen finden Sie im Projektbericht
Medienmitteilung zum Projekt.
 


© Regula Spiess / stadtwildtiere.ch

Stadtfauna

Städte und Siedlungsgebiete beherbergen eine erstaunlich artenreiche Tierwelt. Das Stadtfauna-Buch zeigt rund 600 Arten, die in den letzten Jahren in mitteleuropäischen Städten beobachtet werden konnten, vom Süßwasserschwamm bis zur Nordfledermaus.